Wie man auf eBay effizient und relaxt steigert.

Wie eBay

Als ich kürzlich meine eBay-Auktionen als Konter gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise startete, war ich voller Euphorie, die richtige Maßnahme zum richtigen Zeitpunkt gesetzt zu haben.

Allerdings musste ich feststellen, dass meine Kunden gar keine eBayer sind. Zudem ist es zugegebenermaßen gewöhnungsbedürftig, eine Dienstleistung wie meine Werbetexter-Stunden auf eBay statt ein konkretes Produkt wie z. B. einen Haarföhn zu ersteigern.

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Füllfeder-Überstunden für eine gute Welt nach Corona.

Heute mal in eigener Sache. Oder in unserer aller. Covid-19 hat uns das Leben auf den Kopf gestellt. Nach der Explosion dieser volksgesundheitlichen Supernova drohen deren Schockwellen nun unsere wirtschaftliche Zukunft in Schutt und Asche zu legen.

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Ich weiß, dass ich nichts Device.

Besserwisser waren wir immer schon. Mit dem Internet ist das schlimmer geworden. Davor begnügten wir uns, mit dem Brustton der Überzeugung Dinge zu behaupten. Heute schaffen wir es, dazu den nur einen Touchscreentouch entfernten Beweis in Sekunden nachzuliefern.

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Für Pro, gegen Kontra.

15 Für Pro

Fantastisch: Wir leben heute in einer Welt, in der vieles besser wurde – Lebenserwartung, Welternährung, Wohlstand, Sicherheit, Mitsprache, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – und in der zugleich Polarisierung, politische Spaltung, Extremismus, Lebensstress und Zukunftsangst den öffentlichen Diskurs dominieren.

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Den Elefanten vor lauter Rüsseln nicht mehr sehen.

14 Elefanten

Eine Replik auf den Kommentar von Markus Städeli in der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) vom 7. Juli 2019.*

Wer nur Elefanten kennt, will alles per Rüssel lösen. Hier schreibt kein Schweizer. Sondern ein Österreicher, der in Spanien lebt. Mit exotischem Hobby: Makroökonomie. Wie dem auch sei, die angesprochene Problematik betrifft entwickelte Länder sehr ähnlich.

Wir werden immer älter. Markus Städeli meint in der NZZ den Elefanten zu erkennen und folgert rüsselreflexartig: Wir müssen länger arbeiten. Implizit wohl: Sonst lässt sich das Rentensystem nicht erhalten.

Aber der Dschungel der Volkswirtschaft ist multikausal. Die Entwicklung seit der Industriellen Revolution schrieb eine paradoxe Geschichte: Die Lebenserwartung stieg massiv – hoch leben die Erfolge von Medizin und Lebensmittelversorgung! –, während die Tages-, Wochen-, Jahres- und Lebensarbeitszeit ständig sanken.

Warum sollte diese Entwicklung abrupt die Richtung ändern? Länger leben, ergo länger arbeiten? Es lässt sich nur so erklären: Herr Städeli sieht einen viel größeren Elefanten nicht. Dabei fordern viele, dass angesichts dieses für ihn unsichtbaren Elefanten gar die „Arbeitspflicht“ abgeschafft und Grundeinkommen eingeführt werden sollten.

Der für Städeli unsichtbare Elefant heißt – Produktivitätssteigerung. Während ein Tischler früher Monate für eine Küche gebraucht hat, erzeugen heute z. B. in einem Werk im Elsass 70 Mann 600 Küchen. Täglich.

Weil das überall so ist, brauchen wir weniger zu arbeiten. Dank höherer Produktivität gewinnen (im Idealfall) alle: Der Chef durch mehr Profit, der Arbeiter durch höheren Lohn (sofern aus Angst vor den Chinesen nicht auf Lohnsteigerungsverzicht gepocht wird) und der Konsument durch niedrigere Preise. Und weil Unternehmer und Arbeiter mehr in die Pensionskasse einzahlen können, hat die mehr Geld, um alle immer früher in Rente zu schicken.

Das war die letzten 200 Jahre so. Warum sollte es nicht weiter so bleiben? Denn an den Prämissen dieser Entwicklung hat sich nichts geändert. Aber manchmal sehen wohl auch Kommentatoren der NZZ die Elefanten vor lauter Rüsseln nicht.

* Da der Kommentar in der NZZ am Sonntag online nur über die Bezahl-Variante einsehbar ist, hier ein Foto der Druckausgabe.

 

Die alltägliche Karussellfahrt durchs Universum.

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Nachts ziehst du den karierten Raumanzug an. Gehst ins Schlafzimmer, kriechst unter die Decke, kuschelst dich an deinen Liebling. Dann fängt’s an. Die Schwerkraft, der Planet, erbarmungslos ziehen sie dich nach unten. Tief in die Matratze.

Du spürst, dass du wie jeden Tag an dessen Schlusspunkt anlangst, der zugleich Anfangspunkt sein wird für den nächsten Morgen. Der Punkt, an dem du in dir ankommst. Ein atmendes, müdes, der Natur unterworfenes Tier. Einen Meter drückt es dich in die Matratze, du wiegst tausend Kilo.

Verblüfft stellst du fest, dass dich dein Heimatplanet mitdreht. Tagsüber hattest du nichts bemerkt, hattest telefoniert, bist Auto gefahren, an der Kasse gestanden. Nun rotierst du mit. Schneller als ein Jumbojet, von West nach Ost. Mitgeschleift von Mutter Erde. Eingesunken in der Matratze, wehrlos. Es ist erst der Anfang des nächtlichen Tanzes:

Dieses Ringelspiel steht selbst in einem gigantischen Karussell, das unvorstellbar schnell um dieses feurige Zentralgestirn namens Sonne rotiert. Vierzig Meter drückt es dich ins Bett.

Dann packt dich eine immense Kraft. Du, der Blaue Planet, die Sonne und mit euch die komplette Milchstraße kreisen um das infernalische Schwarze Loch in seiner Mitte in einem Höllenzahn, der selbst Beelzebub das Fürchten lehrte. Hunderte Meter drückt es dich ins Maträtzchen. Von Gravitations- und Zentrifugalkräften überwältigt, fällst du in einen galaktischen Schlaf, dem das titanische Tempo der Ausdehnung des Weltalls noch ein kosmisches Sahnehäubchen (oder Schlafmützchen?) aufsetzt.

So in den Schlaf zentrifugiert, träumst du dich zu einem Ort im Universum, an dem du noch nie gewesen sein kannst. Mit dir all deine Nachbarn: Müllers und Maiers, Jupiter und Saturn, Sirius und Alpha Centauri, Andromeda und natürlich der Virgo-Superhaufen, zu dem wir alle gehören.

Am morgen läutet das Handy. Du scheinst zurück in deinem Zimmer. Am selben Ort. Doch Äonen entfernt an einem neuen Platz im All. Du stehst auf. Und vor dir: ein neuer All-Tag.

Aller Anfang ist

PiensoMasNãoExisto

Vor jedem Anfang
Kommt das Aufräumen
Eine Kastentüre ist noch offen
So kann man natürlich nicht beginnen

Vor jedem Anfang
Sollte man Leib und Seele stärken
Ich mach mir noch einen kleinen Kaffee
Und ein Butterbrot

Vor jedem Anfang
Fällt mir noch was Wichtiges ein
Die Stromrechnung ist zu bezahlen
Und den Soundso sollten wir dringend anrufen

Vor jedem Anfang
Schaue ich auf die Uhr:
Es ist schon bald Zeit, für heute aufzuhören
Da fang ich nichts mehr an

Als der Kosmos sich selbst erkannte.

11 Kosmos

Da die Ewigkeit ziemlich dauert – selbst am Anfang – war es ihm oft langweilig. Weil damals aber noch überhaupt gar nichts war, erfand er Spiele. Das Spiel, das ihm am besten gefiel, nannte er Raumfluktuationen. Es brachte ihn über die erste, doch schwierige Zeit, die es ihrerseits in der dieser Form noch gar nicht gab.

Meist verpufften diese Fluktuationen sofort, weil halt Materie und Antimaterie. Keine große Sache, nicht mal wie ein Tischfeuerwerk. Manchmal aber war es schon ganz prächtig. Da entstand für eine Sekunde ein ganzer Kosmos mit fast allem Drum und Dran. Okay, zugegeben ohne primordiale Nukleosynthese, doch ganz was Ordentliches im Vergleich. Und war fast so schnell wieder weg.

Indes, eines Tages hatte er höchst dumm geschaut! Sofern man das von „Ihm“ überhaupt ungestraft sagen darf. Zackbumm, hier ein Phasenübergang, dort eine Asymmetrie, dann eine Hyperinflation, schon war das schönste Universum geschaffen. So schnell konnte selbst er kaum schauen. Es war der einzige Tag ohne gestern, der erste Tag überhaupt. Davor gab es keine Tage, es gab ja auch keine Zeit. Er nannte ihn „Sonntag“, obwohl Sonne gab es dort noch keine. Das wollte er schnell nachholen.

Sieben Tage gab er sich Zeit. Es sollte sich hinziehen, stellte sich später heraus. Machen wir’s kurz. Das Universum wuselte vor sich hin. Ging auf wie Hefeteig. Ließ dann irgendwann mal das Licht durch, fing an, sich an unzähligen Stellen zu verklumpen. Nicht ohne akribisch alle Drehmomente und Energie und Materie in Summe zu erhalten. Was herauskam, kennt man: Sterne, Galaxien, Planeten, Monde und sonst noch eine Menge Kram.

Dann war außer denen lange nix. Dann Bakterien. Viel später dann einer, der sagte sich: Ich! Das Missverständnis dabei war, dass er glaubte, dieses „Ich“ sei der Raum innerhalb seiner Haut. Nein, wer hier „ich!“ sagte, war der Kosmos, der erstmals in dieser Geschichte zu Bewusstsein kam: Sternenstaub, der aus heiterem Himmel denken konnte und erkannte, dass es ihn gibt. Halleluja.

Altersglimmen

10 Altern

Wohl dem, dessen Haupt sich schon in jungen Jahren seinen Weg himmelwärts durch die Frisur bahnt. Wohl der, die schon im Spiegel in der Disco ihre ersten Fältchen entdeckt. Gesegnet der jung Ergraute! Begnadet die früh an Hinfälligkeiten Herumdokternden. Denn ihnen bleibt erspart, allzu lange der Illusion zu verfallen, jung, immer jung zu sein.

Kritisch wird die Sache, wenn die Zehnerstelle der Altersringe auf einen Wert springt, der keine Ausreden mehr zulässt. Neunundvierzig Kerzen hält eine gewöhnliche Geburtstagstorte locker aus. Bei fünfzig ächzt sie unter Wachsgewicht und Flammenhitze und verwandelt sich ohne naheliegenden Feuerlöscher in eine Gefahr für Haus, Hof und Leben.

Lange tuckert der, dessen Augen für die Anzeichen körperlichen Verfalls verschlossen blieben, läppisch von einem Jahr zum anderen, als gäbe es Jahre im Überfluss. Nichts, was man zu Ende bringen müsste, nichts, was sich nicht auf irgendwann verschieben ließe.

Doch kaum wird die magische Grenze überschritten, läuft der Zähler plötzlich schneller. Die nächsten dreihundertfünfundsechzig Tage fließen durch die Finger wie Wasser. Keine Chance, sie festzuhalten. Du rufst „Halt“, doch läufst weiter im sprichwörtlichen Hamsterrad. Du könntest auch gar nicht anders, denn wenn du es nicht weiterdrehst, dreht das Rad dich und schleift dich mit wie nasse Wäsche in der Waschmaschinentrommel.

Abspringen? Keiner hat uns auf diese Situation vorbereitet. Pubertät und Midlife-Crisis, okay, davon redet jeder und die Buchregale biegen sich unter der dazugehörenden Literatur. Aber die Krise, die man erlebt, wenn man eines Tages aufwacht und über Nacht alt geworden ist, wer redet davon? Vielleicht deshalb nicht, weil das Altern ab dem Punkt X viel zu schnell geht. Und weil es sich fast unbemerkt einschleicht. Oder, weil man es aushält. Wie anderes Unliebsames. Vielleicht sollten wir die Bremse drücken und trotz Glatze, grauer Haare, Falten und Wehwehchen fühlen, dass im Herzen unsere Jugend bis ans Ende glühen kann.