Anstiftung zur Prokrastination.

Tut Scheinwichtiges und twittert darüber!

Wer das Wort „Prokrastinieren“ noch nicht kennt: Es ist nicht unanständig. Zeit dafür ist immer, es lässt sich beliebig wiederholen und fortsetzen. Man braucht keinen dazu, andere sind dabei sogar eher störend.


Ideal erweisen sich nahende Ereignisse wie wichtige Präsentationen, entscheidende Prüfungen, unaufschiebbare Geschäfts-, Bank-, Hochzeits-, Scheidungs-, Pfändungs- oder Gerichtstermine. Dann erst wird es spannend und es zeigt sich, wer ein veritabler Prokrastinierer ist.


Leider ist der Reichtum an Prokrastinationskunstfertigkeiten, die vor Geburt des Internets gepflegt wurden, zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Wir müssen tief in die grauen Hirnzellen vordringen, um Beispiele sinnloser Zeitverschwendungen aus diesem vergangenen geologischen Zeitalter auszugraben.


Nebenbei, hier begegneten wir gerade einem umstrittenen Definitionsversuch der Prokrastination: Zeitverschwendung. Oft wird sie subjektiv komplett gegensätzlich als sehr wichtige Aktivität zur Vorbereitung des danach dringend zu Erledigenden betrachtet.


Womit wir bei den Beispielen aus dem Präinternetikum wären: Man muss zuerst aufräumen, Zeitung lesen, Hunde ausführen, Bücher abstauben, Bilder zurechtrücken, nur kurz den Fernseher einschalten, durchzappen, auch die übernächste Sendung noch ansehen, Müll runterbringen, Solitär spielen. Dann ist es zu spät, heute die wirklich wichtige Aufgabe anzugehen, denn es ist Essenszeit. – Gar nicht so unvernünftige Tätigkeiten, mit denen man sich früher effizient ablenken ließ!


Heute hingegen haben wir Internet. Das macht die Sache einfacher. Für Prokrastinateure gehören – wem sage ich das? – Facebook, Instagram und Twitter zum Standardrepertoire. Dort gibt es immer Wichtiges: Erkenntnisse zur Exosoziologie, Tofu-Rezepte, Hitler-Witze und Katzenvideos.


Die wirklichen Meister des Prokrastinierens, so wird berichtet, vermasseln aber lieber die letzte Einspruchsfrist gegen den Gang zum Henker und erstellen stattdessen noch einen lustigen Eintrag in ihrem Blog.

2 Kommentare

  1. Michael K.

    Wenn soviel Arbeit ansteht, muss man wohl zunächst einmal ein Nickerchen einlegen und dann zur Vorbereitung vielleicht erst einmal einen Kaffee machen/trinken.

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    • helmut1106

      Lieber Michael, wobei ich natürlich explizit festhalten will, dass ein Nickerchen machen und einen Kaffee trinken nicht zu den Tätigkeiten des Prokrastinierens zu zählen sind. Sonst käme ich auf 24 h prokrastinieren täglich und das kann schon rein mathematisch nicht stimmen.

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