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Für Pro, gegen Kontra.

15 Für Pro

Fantastisch: Wir leben heute in einer Welt, in der vieles besser wurde – Lebenserwartung, Welternährung, Wohlstand, Sicherheit, Mitsprache, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – und in der zugleich Polarisierung, politische Spaltung, Extremismus, Lebensstress und Zukunftsangst den öffentlichen Diskurs dominieren.

Egal auf welcher Seite man steht, wir neigen dazu, Themen schwarzweiß zu betrachten, Problematiken, die vielschichtig sind, unikausal erklären zu wollen („es gibt nur einen Grund …“), die andere Meinung zu verteufeln und unseren Standpunkt über diese Gegnerschaft zu definieren. Ich bin dagegen. Punkt.

Wer auf gesellschaftliche Themen nur reagiert, ist im wörtlichen Sinne ein Reaktionär. Er reagiert auf die Gruppe, die es vermochte, ihre Agenda aufs Tapet zu bringen. Sie hat die Themenführerschaft. Sie wird der Gewinner sein. Wer nur dagegen wettert, wird der Verlierer sein. Mehr noch: Er ist es schon.

Gratulieren wir dem Etappensieger. Seine Ansinnen mag man menschenfeindlich nennen und man mag Angst bekommen, dass er Errungenschaften der modernen Welt wieder auf null stellt: Solidarität, Liberalität, Gemeinwohl, Minderheitenschutz (sexuelle, ethnische, religiöse, politische Minderheiten), Schutz vor Verfolgung und Ausgrenzung, Gleichbehandlung, Existenzsicherung, sozialer Friede, Friedenszeiten.

Machen wir also die Hausaufgaben. Jeder frage sich: Wofür bin ich, wofür soll die Partei, die Kirche, der Verein stehen, zu der oder dem ich mich bekennen will?

So wie es tausendfach einfacher ist, Böses zu tun statt Gutes, so ist es tausendfach einfacher zu kritisieren, denn tragfähige Ideen zu haben, wie wir Probleme, Bedrohungen, Widersprüchlichkeiten und divergierende Interessen in Angriff nehmen.

Was wir bekämpfen wollen, dafür kann jeder zehn Punkte im Nu nennen. Was wir aber an Produktivem, Neuem, für die Gemeinschaft Nützlichem anstreben möchten, das zumindest einen Funken an realistischer Umsetzbarkeit in sich trägt, da herrscht schnell mal Schweigen im Walde.

Die alltägliche Karussellfahrt durchs Universum.

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Nachts ziehst du den karierten Raumanzug an. Gehst ins Schlafzimmer, kriechst unter die Decke, kuschelst dich an deinen Liebling. Dann fängt’s an. Die Schwerkraft, der Planet, erbarmungslos ziehen sie dich nach unten. Tief in die Matratze.

Du spürst, dass du wie jeden Tag an dessen Schlusspunkt anlangst, der zugleich Anfangspunkt sein wird für den nächsten Morgen. Der Punkt, an dem du in dir ankommst. Ein atmendes, müdes, der Natur unterworfenes Tier. Einen Meter drückt es dich in die Matratze, du wiegst tausend Kilo.

Verblüfft stellst du fest, dass dich dein Heimatplanet mitdreht. Tagsüber hattest du nichts bemerkt, hattest telefoniert, bist Auto gefahren, an der Kasse gestanden. Nun rotierst du mit. Schneller als ein Jumbojet, von West nach Ost. Mitgeschleift von Mutter Erde. Eingesunken in der Matratze, wehrlos. Es ist erst der Anfang des nächtlichen Tanzes:

Dieses Ringelspiel steht selbst in einem gigantischen Karussell, das unvorstellbar schnell um dieses feurige Zentralgestirn namens Sonne rotiert. Vierzig Meter drückt es dich ins Bett.

Dann packt dich eine immense Kraft. Du, der Blaue Planet, die Sonne und mit euch die komplette Milchstraße kreisen um das infernalische Schwarze Loch in seiner Mitte in einem Höllenzahn, der selbst Beelzebub das Fürchten lehrte. Hunderte Meter drückt es dich ins Maträtzchen. Von Gravitations- und Zentrifugalkräften überwältigt, fällst du in einen galaktischen Schlaf, dem das titanische Tempo der Ausdehnung des Weltalls noch ein kosmisches Sahnehäubchen (oder Schlafmützchen?) aufsetzt.

So in den Schlaf zentrifugiert, träumst du dich zu einem Ort im Universum, an dem du noch nie gewesen sein kannst. Mit dir all deine Nachbarn: Müllers und Maiers, Jupiter und Saturn, Sirius und Alpha Centauri, Andromeda und natürlich der Virgo-Superhaufen, zu dem wir alle gehören.

Am morgen läutet das Handy. Du scheinst zurück in deinem Zimmer. Am selben Ort. Doch Äonen entfernt an einem neuen Platz im All. Du stehst auf. Und vor dir: ein neuer All-Tag.

Träume ökonomisieren

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Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche hat auch ihr Gutes. Im Sport zählen Transferzahlungen, im Fernsehen Einschaltquoten, beim Jogging Herzfrequenzen, beim Essen Kalorien, beim Charity Spendenrekorde, in der Politik schwarze Nullen, beim Spielen Punkte, beim Studium Credits, im Internet die Zahl der Likes. Was davon nicht im ersten Anlauf schon pekuniär verquantet wird, wird es im zweiten: Punkte, Publikumszahlen und Pulsschläge zu Piepen, Pulver und Penunzen.

Die gut gemeinte „Share Economy“ legt noch eins drauf und lässt uns das Sofa im Gästezimmer, das fast den ganzen Tag ungenutzte Auto und unser Zweitbuch gegen Bares vermieten und effizient ausbeuten. Das macht uns zum Reserveunternehmer und Hauptressourcenschoner.

Nur wenige Bereiche entziehen sich des Messbar- und Kohlemachens. Alles lässt sich in Geld umrechnen oder sogar umwandeln. Aber beispielsweise bei der Frömmigkeit fehlt uns noch die wundersame Geldvermehrung: Wie lassen sich fünfzig Ave Maria in Bares konvertieren? Doch von Ablasshandel bis Kirchensteuer gab und gibt es auch hier vernünftige Ansätze.

Sorgen bereiten allerdings Träume. Was macht man mit dem Trödel? Angeben kann man mit dem Unfug nicht, messen lassen sie sich kaum und in Geld verwandeln auch nicht. Ausgenommen du bist Traumdeuter oder Traumforscher, aber das sind Nischenphänomene, nichts für die Masse.

Wie wäre es mit Traumsharing? Für alle sehr praktisch, die nie was träumen. Man bekommt einen Traum gegen ein bisschen Copyright. Z. B. den Traum mit der Wildsau, die durch den Supermarkt wetzt, plötzlich ist sie der Pfarrer und sitzt auf dem Klo. Oder den, als einer auf der Bühne was trällern sollte, aber merkt, dass er mit Singen ja gar nichts am Hut hat, jedoch in Frauenkleidern vor vollem Saal steht. Damit wäre auch die letzte wehrhafte Bastion gegen die Ökonomisierung aller Lebensbereiche erstürmt und der Sieg des Kapitalismus unumkehrbar. Fast wie im Traum mit dem alten Opel, dessen Bremsen versagen und einen Abgrund runterrutscht.